Karin Selest Buchautorin & Schriftstellerin

Mein Traum vom Schreiben wurde wahr,

Bild zum Thema Schreiben

… jetzt lebe ich ihn

 

Vor fast drei Jahren, im Januar 2013 sendete ich die erste Einsendeaufgabe an die „Schule des Schreibens“ ein. Der Finger zitterte ein wenig, als ich den Button „Versenden“ anklickte …
Ja, ich wollte lernen, eigene Geschichten zu verfassen, doch würde Schreiben das Richtige für mich sein? Wie vielen Illusionen bin ich in meinem Leben nachgejagt, um sie allesamt kurz darauf zu begraben.
„Außer Spesen nichts gewesen.“ Dieser Spruch wäre alles, was mir am Ende wieder einmal bleiben würde.
Immerhin muss ich arbeiten gehen, um die Lebenskosten zu bestreiten. Ein teures Hobby kann ich mir dabei kaum leisten, dachte ich, und aus weiser Voraussicht studierte ich die Kündigungskriterien genau.

 

Heute weiß ich,

dass dieses Studium das Richtige für mich war. Es mag sein, dass ich den Drang und das Talent zum Schreiben besitze. Aber ohne das Fernstudium hätte ich meine Fähigkeiten nie ausbauen können und mich nie getraut, auch nur daran zu denken, mich einmal Autorin nennen zu dürfen.

Am Anfang fiel es mir nicht leicht, alles unter einen Hut zu bringen. Fünf Tage in der Woche für je acht Stunden arbeiten gehen. Den Haushalt schmeißen, die Freizeit meinem Partner und unseren Freunden widmen, nebenbei ein Lehrheft nach dem anderen durcharbeiten und die dazugehörige Einsendeaufgabe erfolgreich bewältigen. Wie sollte das auf Dauer funktionieren? Ich suchte und fand eine Lösung, und die hieß: Ich knipse einfach hier und da etwas Zeit ab.

Im Nachhinein erwies sich dieses Vorhaben als ein klein wenig töricht.

Unumstritten, acht Stunden am Tag waren für den Brotjob fest reserviert. Mein Chef hätte mir wohl kaum ein kleines Schreibbüro eingerichtet. Allerdings muss ich gestehen, dass meine Gedanken so manches Mal nicht bei der Arbeit waren und in der Hosentasche ständig ein kleines Notizbuch und ein Kugelschreiber steckten, was nach wie vor der Fall ist.

Privat ist mir die „Zeitabknapserei“ recht gut gelungen. Allerdings der Haushalt und einige Freunde und Bekannte zeigten wenig Verständnis. Die Freunde und Bekannten deshalb, weil ich sie vernachlässigte. Sie spürten, dass ich bei unseren, nur noch gelegentlichen Treffen, nicht überaus mitteilungsfreudig und meist von einer inneren Unruhe geplagt war. Natürlich hatte ich deshalb ein schlechtes Gewissen, doch ich wollte endlich zurück an meine neu gefundene Bestimmung:

„Das Schreiben“

gehen. Der Haushalt hat es mir ebenfalls bis heute nicht verziehen. Wir beide leben aber gezwungenermaßen mehr oder weniger glücklich nebenher.
Mein Mann, der mir zum Glück kaum etwas übel nehmen kann, hat sich an das schlampige Chaos, was des Öfteren bei uns herrscht, leidlich gewöhnt. Er verträgt mein oft mittelschwer angebranntes, salzloses oder gar versalzenes Essen jetzt schon viel besser. Immerhin passiert es nicht mehr so oft, dass ich verkohltes Fleisch von den Gulaschwürfeln abschneiden muss. Leicht bitteres Schnitzelfleisch ohne Panade (zuvor gab es eine), platziere ich ebenfalls nur noch selten auf die Teller. Gemüseeintöpfe, aus denen nach stundenlangem Köcheln eine Art Brei wird, der dank Chili weniger penetrant nach angebackenem Gemüse oder Reis schmeckt, gibt es auch nur noch selten. Das liegt ein wenig daran, dass ich mir in den Kochzeiten ein striktes Schreibverbot erteilt habe, und es fast immer einhalte.

Der wesentlichere Grund jedoch ist, dass mein Mann in der Küche eine immer bessere Figur abgibt. Neben dem Kochen, wozu er wohl schon immer Talent hatte (ich frage mich, wie er es so lange vor mir verheimlichen konnte), hat er die Geschirrpflege, wie aufwaschen, abtrocknen und wegräumen, gelernt. Er hat sogar von ganz allein herausgefunden, wo der Müllsack und die schmutzige Wäsche hingehören. Bisher verwechselte er es zum Glück noch nie! So wie ich das fachgerechte Schreiben erlernte, lernte mein Mann zu schweigen. Ein kurzer genervter Blick, den ich ihm über das Display meines Laptops zuwerfe, genügt. Dann weiß er, dass ich seine Welt gerade nicht teile.
Ja, mein Mann ist mein rettender Anker. Ohne ihn wäre ich keineswegs so weit gekommen.

 

Das Schreiben ist fast zu einer Sucht geworden.

Die Einsendeaufgaben brachten mich auf neue Ideen, die im Computer und als handschriftliche Urfassungen auf ihre Umgestaltung warten.
Ich hoffe, dass ich meine Schmierschrift irgendwann noch lesen kann. Nach wie vor muss ich alle Inspirationen zuerst chaotisch niederschreiben. Möglichst auf irgendwelchem Papier, was zu nichts anderem mehr taugt. Daran wird sich gewiss auch zukünftig kein bisschen ändern.

Eine meiner Buchideen durfte ich bereits verwirklichen. Im Oktober 2014 erschien mein erstes Buch: „Paulageschichten Teil I von Karin Selest“ (Pseudonym). Die Idee zu den Paulageschichten entstand bei der zweiten Einsendeaufgabe der Grundschule. Das war mir damals allerdings noch nicht bewusst. Ich war mit dem eigentlichen Text unzufrieden. Er war viel zu lang.  Aus dieser Not heraus habe ich das „Apfelkind“ Paula erfunden.
Nach und nach schrieb ich weitere Geschichten. Eine davon gewann im April 2013 beim RINDLERWAHN – Schreibwettbewerb. Von diesem Tag an wollte ich meine Paula, in einem Buch verewigt, in der Hand halten.
Mittlerweile habe ich „Paulageschichten Teil II“, „Las historias de Paula“ (die spanische Übersetzung) und das Buch „Allein das Leben zählt“ veröffentlicht.

Bücher Paulageschichten 1 Bücher Paulageschichten 2 Bücher - Link Paula español Theaterstück Schreiben - Link Allein das Leben

 

Meinen fünfzigsten Geburtstag durfte ich schon vor einiger Zeit feiern und bin ein „spätes Mädchen“, was das Schreiben betrifft. Genau deswegen finde ich manche Nacht nicht in den Schlaf. Ich habe noch so viele Pläne. Am liebsten würde ich alle Buchideen verwirklichen. Die Humorvollen, wie die Dramatischen.

 

Wenn ich drei Wünsche frei hätte, möchte ich:

1. Auf den Brotjob verzichten und nur vom Schreiben leben.
2. Einen Verlag an meiner Seite haben, der mit mir den Weg einer deutsch-spanischen Autorin geht.
3. Dass alles so bleibt – mein jetziges Leben hier in Spanien. Gemeinsam mit dem Mann, den ich liebe, wenig Freunden und einer klitzekleinen lieben Verwandtschaft.
Ach ja, eines noch. Viele Fans, die meine Bücher mit Freude lesen.
Ich weiß, die Wünsche sind enorm, doch zum Glück sind Gedanken und Träume frei.

 

Bevor ich nun zum Schluss komme,

möchte ich der „Schule des Schreibens Hamburg“ und ganz speziell meinen drei Studienleiterinnen danken. Sie brachten mir das Handwerk des Schreibens mit seinen unverzichtbaren Werkzeugen nahe, und zeigten mir, wie ich sie nutzen kann. Meine Lehrerinnen haben mich motiviert, bestätigt und ab und zu ein wenig erzogen. Sie führten mir aber auch vor Augen, dass ein Buch zu schreiben nicht damit getan ist, Ideen stilvoll aufs Papier zu bringen. Es gehört Disziplin, Entbehrung, und immer wieder Ausdauer dazu.

Nicht zuletzt ist das vielleicht das Wichtigste, was ich gelernt habe, die Verantwortung dem Leser gegenüber nie zu vernachlässigen. Ein Buch kann schnell geschrieben sein und ist mit etwas Glück auch erfolgreich an den Mann, oder die Frau gebracht. Wenn ich aber den Leser mit meinen Worten keine Tür öffne, durch die er in die Geschichte eintauchen darf, wird er mein Werk und mich als Autorin ebenso schnell wieder vergessen.

Die Lehrhefte haben mir die Literatur und deren Genres verständlich nähergebracht und ein Gefühl für Worte in mir geweckt. Ich habe einen Weg gefunden, mein eigenes Leben durch das Schreiben aufzuarbeiten und erkannt, welcher Stil und welche Literaturrichtung zu mir passt. So sind es die Kinder und Jugendlichen über, und für die ich schreiben möchte. Aber auch Schicksalsromane stehen auf der Wunschliste meiner zu schreibenden Bücher.
Wenn ich schreibe, lebe ich in einer anderen Welt. Diese Welt will ich in Büchern zum Leben erwecken und Bilder in meine Worte „zeichnen“. Daran werde ich jeden Tag arbeiten. Das ist mir wichtig.